Chinesischer Garten der Dichter und Gelehrten.

Quian Yuan, ist der chinesische Garten in Bochum, der Garten der Dichter und Gelehrten. Etwas versteckt liegend, unterhalb der Ruhr-Universität, befindet sich die Anlage im botanischen Garten der Universität. Besonders derjenige, der auf einer etwas anstrengenden Tagestour* unterwegs ist, mag dieser etwas mystisch angehauchte Ort einer kurzen Entspannung dienen. Dieses besondere Flair hängt mit einer etwas melancholischen geschichte zusammen, welche das Thema der Gartenanlage ist. Es ist die Erzählung vom Pfirsichblütenquell, worauf unten, bzw. im Video eingegangen wird.
Neben den anderen Bochumer Sehenswürdigkeiten (wie dem Deutschen Bergbau-Museum, Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen, Westfälisches Industriemuseum, Zeche Hannover, Zeche Knirps, Propsteikirche St. Peter und Paul...) wäre der Botanische Garten der Ruhr-Uni ein entspannender Tagesausklang. Und wem der Trubel in der Mensa nicht zu viel ist, der kann dort in der oberen Etage auch recht gemütlich einen Kaffee genießen.

Ein echter Chinesischer Garten

Im Jahre 1990 wurde die Anlage als Ausdruck der Partnerschaft zwischen der Tongji-Universität Shanghai und der Ruhr-Uni Bochum errichtet und elf Jahre später noch einmal gründlich saniert. Das Areal ist ein authentisches Stück zeitloser chinesischer Gartenkunst, welches von chinesischen Architekten der oben genannten Tongji-Universität geplant worden war. Selbst die Errichtung der Anlage erfolgte völlig authentisch durch Facharbeiter aus Wuxi**. Die wesentlichen Bauteile für diese original chinesische Gartenanlage wurden in China vorgefertigt und dann nach Bochum transportiert.

Die Geschichte vom Pfirsichblütenquell

Das Verständnis und die Wertschätzung für das Kunstwerk eröffnet sich allerdings nur über eine alte chinesische Erzählung, die hinter dieser besonderen Gestaltung steht. Es ist dies die poetische Legende vom Pfirsichblütenquell. Sie stammt aus der Feder des berühmten chinesischen Dichters Tao Yuan Ming (365–427. n. Chr.). In der Sage (Mythos) erfährt man, dass ein Fischer durch Zufall in die Felsenlandschaft des Pfirsichblütenquells gelangt, also an einen idealisierten, geheimen Ort, in dem, abgeschottet von der restlichen Welt, wenige Menschen ein glückliches Leben führten. Als der Fischer diesen paradiesischen Ort wieder verließ, baten die Bewohner ihn, dass er nach seiner Rückkehr niemandem von ihnen und dem versteckten Landstrich des Pfirsichblütenquells erzählen solle. Der Fischer versprach es, verriet aber doch das Geheimnis. Trotz des Verrates konnte den Zugang zu diesem versteckten Paradiese später niemand mehr finden. ''Man weiß nicht, ob später noch jemand den Wegweisern des zurückgekehrten Fischers gefolgt ist, um in dieses paradiesische Land zu gelangen. Und heute fragt schon niemand mehr nach dem Weg dorthin.''

Geschichte vom PfirsichblütenquellDarstellung: Die Wundersame Geschichte vom Pfirsichblütenquell.

Diese wunderschöne Metapher – man vergleiche sie mit der Paradiesgeschichte der Bibel – ist ein Ur-Thema des Gartens überhaupt, der ein geheimer Rückzugsort vom Lärm und der Hektik der Zeit darstellt. Als ein Symbol der Zeitlosigkeit führt in Bochum ein Pfad, der etwas versteckt beginnt, gegen den Sonnenlauf (gegen den Uhrzeigersinn, also gegen die Zeit) durch eine stilisierte bizarre Felslandschaft hin zu einer Fischerhütte, wo ein Ruheplatz mit Schachbrett auf den Besucher wartet. Es ist ein Ort der Entspannung und der Konzentration oder man findet beim Spiel der Könige und Gelehrten auch etwas Zerstreuung. Den Weg kann man dann wieder zurückgehen und dabei eine unauffällige Steinbrücke überschreiten, die symbolisch in der Mitte getrennt ist. Diese Trennung verweist wiederum auf die Geschichte vom Pfirsichblütenquell und dem Fischer, der an diese Stätte der Zeitlosigkeit gelangte und später nicht mehr dahin zurückfand.

Besonderheiten der Gestaltung

Des Weiteren kann man als Besucher in der Anlage die Besonderheiten der Chinesischen Gartenkunst bewundern, die vor allem darin besteht, dass stilisierte Naturlandschaften im verkleinerten Maßstab in den Garten projizieren werden, was aber nur durch die schroffe Gegenüberstellung von Natur und Architektur gelingt. Über diese Thematik kann man an anderer Stelle dieser Homepage lesen und auch, wie man im chinesischen Garten Teichanlagen gestaltet: Dort ist das Ufer rau und felsig, und in der Mitte des Teiches befindet sich das Grün (Teichrosen) – mit grandioser Wirkung, obwohl dies der Natur eines Binnengewässers nicht entspricht.
Anders ist es bei uns, hier wird "natürlich" gestaltet: Das Ufer ist grün, und die Teichmitte hat den Wasserspiegel. Das ist naturgetreuer aber auch langweiliger.

Chinesischer Garten der Dichter und Gelehrten  in Bochum


Quellen und Hinweise
*dieses Kleinod gärtnerischer Gestaltungskunst sollte auf Tagestouren durch das Ruhrgebiet auf jeden Fall eingeplant werden, so jedenfalls meine Empfehlung. Von Essen, Herne, Witten und auch von Dortmund aus ist dieser Botanische Garten schnell erreicht.
**In Wuxi befindet sich einer der berühmtesten historischen Gärten Südchinas, der Garten der Zerstreuung (Jichangyuan).
— Qiao Yun: Alte chinesische Gartenkunst, Leipzig 1988.
— Eigene Interpretationen
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