Chinakohl Feld

Chinakohl (Brassica rapa convar. pekinensis) ist schon ein besonderes Kohlgemüse. Bezogen auf seine recht kurze Kulturzeit von nur 10 Wochen bringt er einen hohen Ertrag, etwa vier bis fünf Kilogramm pro Quadratmeter! Vor allem im Bezug auf Selbstversorgung ist dieses Gemüse sehr interessant.
Es gibt zwar Sorten des Chinakohls, welche schon im Mai gepflanzt werden können. Doch konzentrieren wir uns im Kleingarten besser auf den klassischen Herbstanbau dieser Kohlart und damit auf die zweite Ernte, die wir von einem einzelnen Gartenbeet nach der Frühkartoffel- oder Früherbsen-Ernte oder nach dem zeitigen Abräumen eines Erdbeerbeetes erwarten können.
Wer sich für den Anbau des Chinakohls im eigenen Garten interessiert, der sollte sich natürlich mit den möglichen Zubereitungsarten und den Möglichkeiten der Verwendung beschäftigen. In Korea nutzt man ihn zum Beispiel zusammen mit anderen spät zu ziehenden Gemüsen (z.B. Herbstrettich) für das KIM CHI, die fernöstliche Sauerkraut-Variante, die man dort oft in großen Mengen zubereitet. Ich finde das eine geniale Lösung, da unser Sauerkraut-Gemüse – der Weißkohl – fast das ganze Jahr auf dem Beet oder Feld steht. In Fernost hingegen nutzt man lediglich die zweite Beetbestellung des Jahres.

Besonderheiten der Kultur

Einige Besonderheiten möchte ich gleich noch zum Anfang nennen. Was wir beim Anbau im Kleinegartenbereich besonders beachten müssen, und dass ist das relativ kurze Zeitfenster, welches uns für die Aussaat zur Verfügung steht. Das ist unten erklärt. Es ist aber so, dass jede einzelne Chinakohl-Sorte eigene Wuchseigenschaften aufweist und so ist es auch nicht besonders einfach den optimalen Zeitpunkt zu finden, vor allem dann, wenn wir von Jahr zu Jahr die Sorte wechseln. Wir sollten uns also immer den Zeitpunkt unserer Aussaat notieren und dazu die verwendete Sorte. Dies sollte dann aber auch jährlich beibehalten werden.
Allgemein wird im Kleingarten im Spätsommer weniger gegossen. Wir sollten uns jedoch merken, dass der Chinakohl immer gut mit Wasser versorgt sein muss!

Wenn der Chinakohl blüht, z.B. nach dessen Überwinterung ...

Nun wird es wirklich noch einmal interessant. Nicht selten kommt bei uns vor, dass solch ein Chinakohl im Herbst keinen festen Kopf mehr ausbildet. Das ist aber kein Grund, sich zu ärgern. Wir können solche Pflanzen nämlich überwintern und im Frühjahr die Blütentriebe ernten. Es ist eine Delikatesse!
Für die besagte Überwinterung schützen sie daraufhin im Spätherbst am besten mit einem transparenten Gartenvlies. Im Frühjahr schießt der Kohl gleich in den ersten warmen Wochen in die Blüte. Die Blütenstängel sind kurz und gedrungen und anfangs sehr zart. Diese Blütentriebe – und einige der Blätter können wir schneiden und in der Küche verwenden. In Fernost ist dieses Gemüse eine Delikatesse und es gibt dafür auch spezielle Sorten [1]. Im Kleingarten sollten wir für diese Zwecke zunächst den Chinakohl nehmen und vielleicht überhaupt in drei Sätzen aller sieben Tage säen. Dann haben wir ziemlich sicher schöne Köpfe und als Zugabe "Chinesischer Brokkoli" im März.
Übrigens: Die Idee für die mögliche Überwinterung bekam ich durch das Video einer koreanischen Youtuberin "Kimi", wo die Frühjahrsernte von blühendem Chianakohl zu sehen ist (Minute 2:58) zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=53zyfE2knl8&t=153s

Anbauanleitung

Klima und Bodenansprüche

Die Kultur liebt ein eher maritimes Klima mit etwas höherer Luftfeuchtigkeit (als bei uns) und milde Winter. Eintretende Kälte (vor allem im Frühanbau) bewirkt eine Vernalisation (und das bereits am keimenden Samen), sodass die Pflanzen in die Blüte schießen.
Chinakohl mag sandigen Lehmboden, die Beete sollten tiefgründig gelockert, mit Kompost oder Stallmist gut vorbereitet und auch gut mit Kalk versorgt sein.

Aussaat – wichtig ist der Zeitpunkt und das Ausdünnen

Die Aussaat erfolgt am besten an Ort und Stelle von Mitte Juli (frühestens Anfang Juli) bis Anfang August, ein bis zwei Zentimeter tief. Die Reihen sollten in 45 Zentimeter voneinander Entfernt sein, die aufgegangenen jungen Pflanzen werden auf 30 bis 40 Zentimeter Abstand verzogen.
Es ist sinnvoll, bei der Aussaat aller 30 Zentimeter drei Körner zu legen und dann diese „Horste“ zu verziehen (ähnlich verfährt man im Selbstversorgergarten mit Pastinaken oder Rüben).
Der in durchgehender Reihensaat ausgesäte Chinakohl wird recht schnell verzogen (ausgedünnt), damit sich die Pflanzen nicht gegenseitig hochschieben. Der beste Zeitpunkt dafür ist, wenn sich nach den Keimblättern das erste normale Blatt bildet.

Düngung und Pflege

Eine Woche nach dem Aufgehen der Saat sollte ein Volldünger gestreut werden. Weitere Düngergaben können nach 3 Wochen am besten in flüssiger Form folgen. Der Kohl hat einen hohen Wasserbedarf; bei Trockener Witterung darf das regelmäßige Gießen – möglichst mit abgestandenen angewärmten Wasser – nicht versäumt werden das ist eine der wichtigsten Pflegearebeiten! Unkräuter werden entfernt und der Boden regelmäßig gehackt, doch ist der Kohl auch ziemlich robust gegen etwas Unkrautwuchs.

Ernte, Lagerung und Verwendung

Die Ernte beginnt im Oktober und geht bis November. Zwar verträgt der Chinakohl bis zu -8°C, doch darf er nur bei frostfreiem Wetter geerntet werden. Deshalb belässt man für den Monat Dezember nur einen kleinen Teil auf dem Beet. Der Rest wird mit Wurzeln ausgegraben und im Keller in Sand eingeschlagen. Für Gemüsemieten im Freien ist der Chinakohl nicht geeignet. Chinakohl ist bis in den Januar hinein ohne Probleme lagerbar.
Der Kohl kann in der Küche roh als Salat verarbeitet oder gekocht werden. In Korea gehört er zusammen mit dem ebenfalls spät angebauten Herbstrettich zur grundlegenden Zutat des KIM CHI, einem fermentierten Gemüsemix. Da die Koreaner weltweit "die" Fermentier-Nation ist, hat sie für diese Zwecke sehr praktikable Fermentier-Boxen erfunden, welche ich unbedingt empfehlen kann. Im einfachsten Falle machen wir darin unser Sauerkraut, welches ebenfalls aus geschnittenen Kohl besteht. Allerdings ist unser Weißkohl, botanisch: Brassica oleracea convar. capitata var. alba , eine andere Pflanzenart. Es ist ein Gemüsekohl (Brassica oleracea). Chinakohl (Brassica rapa subsp. pekinensis) gehört jedoch zur Art der Rübsen (Brassica rapa) und steht verwandschaftlich dem Herbstrübchen oder dem Stängelkohl (Herbst-Brokkoli) nahe. Interesante ist allerdings, dass man an zwei Enden der Erde ähnliches aus zwei verschiedenen Pflanzenarten erfunden hat – eine Art Weißkraut, wie auch das Sauerkraut daraus.
Besonders in Korea werden alle möglichen Rezepturen von KIM CHI alltagsmäßig genutzt (auch im oben erwähnten Video ersichtlich!) – auch in großen Mengen und als Bevorratung. Ich finde diese Nutzung genial, da

Mischkultur

Andere Kohlarten, Kartoffeln, Lauch und Rettiche (Radieschen) sind keine guten Nachbarn in der Mischkultur. Es eignen sich Buschbohnen, Erbsen, Salat, Spinat und Karotten für ein förderliches Nebeneinander. Doch ist in der Praxis eine Mischkultur in diesem Spätanbau nicht effektiv. Höchstens die Kombination mit Spinat, der ab August gesät werden kann, scheint mir sinnvoll.
Wer im Kleingarten Chinakohl oder auch die vielen anderen bodenzehrenden Kohlarten anbauen möchte, der muss schon ein recht ausgeklügeltes System der Fruchtfolge haben, da man Kohlbeete zwei bis drei Jahre ruhen lassen muss, bevor sie wieder mit Kohl bestellt werden können. Baut man allerdings nur wenig Chinakohl an (mir genügen ca. 5–10 Pflanzen), dann ist ein besonderer Fruchtfolgeplan unnötig.

2.) Chinakohl in Mischkultur zwischen neu gepflanzten Erdbeeren.

Sorten

Wie eingangs bereits erwähnt, sollten wir jedes Jahr möglichst immer die selbe Sorte anbauen. Wir sollten auch bestrebt sein wenige, dafür aber schöne Exemplare aufzuziehen. In diesem Falle bin ich dafür eine Hochzuchtsorte, also F1-Hybride zu kaufen, dern es sehr viele gibt.
Wer sich die Mühe machen möchte, kann für seine eigenen Zwecke bei jedem blühenden Chinakohl (sie blühen auch bei sehr zeitiger Aussaat im Frühjahr) die Blüten zu Samen ausreifen lassen. Damit können wir den Samen tatsächlich auch selber ziehen.

[TJ.19.1] Zählpixel I ©Bild 1) ganz oben: Pixabay, jsbaw7160; ©Bildrechte (2) und Text: Thomas Jacob (2013), 1.2.2024