Geometrische Gärten Teil 2: Die Gartenachse

Geometrischer Hausgarten

Die Hauptgliederung der Fläche sei klar. Gebäude in historischen Stilen oder deren Ableitung haben eine Mittellinie, zu der ihre Glieder in Beziehung stehen. Diese Linie wird in den Garten fortgesetzt gedacht, und auch hier zu ihr in Beziehung gebracht, was zu ihren Seiten liegt. Gleiches gilt für die Nebenachsen eines Gebäudes.

An dieser Stelle sein bemerkt, dass der geometrische Garten im Grunde genommen immer in Beziehung zu einem Gebäude stehen sollte. Es ist außerordentlich schwierig, derartige Gartenanlagen ohne Sichtachse zu Architekturen zu schaffen, es sei denn, der geometrische Garten wird in seinem Wesen selber ein Architekturgarten.

Gebäude und Einfamilienhäuser, welche asymmetrisch aufgebaut sind, lassen absichtlich die Achse unbetont. Die Massen des Baukörpers stehen hier nicht in geometrischer Symmetrie sondern im Gleichgewicht zu einer empfindbaren Schwerpunktlinie. Diese muss gefunden werden und wird dann zur Hauptachse des Gartens.

Die Basis dieser Achse geht der Hauptfront parallel. Die Front moderner Häuser enthält aber oft unregelmäßige Vorsprünge; es ist darum nötig, eine ruhige Basis zu schaffen, indem man eine regelmäßig gebogene oder eine gerade Linie weiter in den Garten vorschiebt. Die zwischen ihr und der Gebäudefront bleibenden, unregelmäßigen Flächen sind gesondert zu behandeln und ohne starke Betonung in Rücksicht auf ihre besonderen Achsen zu formen und zu bepflanzen. Die Nebenachsen werden im Garten weniger betont als die Hauptachsen. Zu prüfen ist, welchen Abstand von der Achse andere räumlich wirkende Dinge wie z.B. Baumgänge, Pyramidenbäume, Laubengängen und Pergolen haben müssen. In Bezug auf die perspektivische Wirkung im Raum ist Rücksicht auf das Gebäude zu nehmen.

Folgende Abbildungen zeigen die Unterschiede:

Sichtachsen.Sichtachsen.

Anordnung der Pyramidenbäume an einer Achse. Verschiedenheit der Wirkung einer Doppelreihe Pyramidenbäume durch verschiedenen Abstand von der Achse.

Was eben von einer Front des Hauses gesagt wurde, gilt auch für die übrigen Ansichten. Die architektonisch am meisten betonte Ansicht des Hauses wird auch im Garten hervorgehoben in ihrer Bedeutung gegenüber den anderen Gebäudeteilen.

Literatur & Quellen: Willy Lange: Die Gartengestaltung der Neuzeit, Leipzig 1907 - mehrfach überarbeitetes Kapitel aus "Der geometrische Garten".