Schnittlauch anpflanzen und Pflege – und viele weitere Tipps

Schnittlauch im Garten

Schnittlauch (Allium schoenoprasum) ist ein Gartenkraut, welches immer reichlich vorhanden sein sollte, denn die meisten von uns verwenden es gewohnheismäßig viel und gern in der Küche. Dementsprechend sollten wir die Anbaumenge planen und reichlich anpflanzen. Ein Vorteil des Küchenkrautes ist, dass es recht einfach im Blumenkästen oder anderen Pflanzgefäßen anzubauen ist und das Küchenfenster, der Balkon oder die Terrasse für die Kultur genutzt werden können. Wird viel geschnitten, wächst immer wieder reichlich zarter Lauch nach. Die Erntezeit reicht von Ende März bis Oktober, dann zieht der Schnittlauch langsam seine röhrigen Blätter ein. Auf dem Balkon werden dann die Töpfe an einem schattigen Platz zur Überwinterung eingelagert.

Noch ein paar Tipps vorweg:

Schnittlauch ist eine ausdauernde, sehr winterharte Pflanze, die je nach Sorte 15 bis 30 cm hoch wird. Sie wächst am liebsten auf lockerer, nährstoffreicher und feuchter, normaler Gartenerde (Blumenerde) und das in voller Sonne oder bei etwas Halbschatten. Die Feuchtigkeit ist wichtig, doch muss das Gießwasser im Freiland, wie im Topf immer gut ablaufen können. Bei Staunässe bekommen die Halme gelbe Spitzen.

Bevor wir uns aber den Anbaubedingungen und der Pflege weiter widmen, schauen wir kurz auf die botanische Einordnung der Pflanzen. Die genaue botanische Herkunft mag deshalb für Hobbygärtner interessant sein, da heute viele alte Sorten oder etliche regionale Variationen aus fernen Ländern im alternativen Pflanzenhandel erhältlich sind. So ist der Altai-Schnittlauch (Allium ledebourianum) ein Allium der Sektion Schoenoprasum, also eine ganz nahe verwandt Art unseres Gartenschnittlauchs.

Botanik

Wild kommt der Schnittlauch auf der Nordhalbkugen vor, wobei es die Annahme gibt, dass das Kraut ursprünglich aus Asien stammt. Da es sicher zu den uralten Kulturpflanzen zählt (z.B. China 3000 v. Chr.), hat vermutlich auch der Mensch bei seiner Verbreitung geholfen. Allium schoenoprasum ist eine Lauch-Art. Von letzteren gibt es über 300, die noch einmal in 15 Sektionen (Art-Varianten) untergliedert werden. Der Schnittlauch ist dabei neben sechs anderen Arten der Sektion Schoenoprasum zugeordnet. Und wenn wir es ganz genau betrachten wollen, so besitzt Allium schoenoprasum selber auch wieder mehrere Unterarten:

  • Allium schoenoprasum ssp.* schoenoprasum
  • A. schoenoprasum ssp. latiorifolium (breitblättrig, Herkunft Spanien)
  • A. schoenoprasum ssp. orosiae (weitere spanische Unterart)
  • A. schoenoprasum ssp. sibiricum (sibirischer Lauch, sehr mild)

Der Schnittlauch gehört als Pflanzenart zur Gattung Lauch (Allium). Der Lauch wiederum fügt sich in die Unter-Unter-Familie (Tribus) der Allieae. Diese gehört zur Unter-Familie der Lauchgewächse (Allioideae), welche innerhalb der Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) auszumachen ist. Die Amaryllisgewächse sind der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) angehörig. Der botanische Name schoenoprasum leitet sich vom griechischen schoen/schoeno ab, was Binse heißt. Der zweite Wortstamm ist prasos = der griechische Name für Lauch. So heißt der Schnittlauch übersetzt "Binsenlauch", was der Blattform entsprechend auch so zutrifft. Eine Auswahl anderer deutscher Namen sind Graslauch, Bergzwiebel, Brislauch, Grusenich, Looook oder Graslook, Schnittling, Sniteloc (althochdeutsch) oder Jakobszwiebel. Letztere Jakobszwiebel, vermutlich eine starkwachsende Variante, soll deshalb den Namen Jakobszwiebel besitzen, weil man ihn sie als Zwiebelersatz (wie eine Lauchzwiebel) um Jakobi (25. Juli) ernten kann (eigentlich auch schon eher). Vielleicht trifft das auf den Altai-Schnittlauch zu, der in seiner Größe durchaus an junge Lauchzwiebeln heranreicht.

Anbauanleitung

Standort

Frischer Boden ist gewünscht – also ein nicht zu trockener Platz im Garten, der aber keine stauende Nässe aufweisen darf. Will der Schnittlauch nicht so richtig gedeihen, hilft es oft den Platz entsprechend zu wechseln. Volle Sonne oder leichter Halbschatten ist gewünscht.

Vermehrung, Aussaat und Pflanzung

Gut ist es, wenn der Balkon- oder Kleingärtner einen reichen Grundstock an Schnittlauchpflanzen hat, denn dann nimmt man diesen (wie ohnehin empfohlen) aller drei Jahre auf, teilt die Büschel und setzt sie wieder in neue Erde oder an einen anderen Platz im Garten. Die Teilung ist also eine einfache Vermehrungsmethode und erfolgt neben dem Frühjahr am besten Von Juli bis September an einem trüben Tag. Dabei sollen aber die Büschel, die verpflanzt werden, nicht zu klein sein. Die Reihen benötigen 20 bis 25 cm Abstand voneinander und die Büschel in der Reihe 10 bis 15 cm. Man setze die Pflanzen so tief ein, wie sie vorher im Boden gestanden haben, eher einen halben Zentimeter tiefer, als zu flach.

 – Saattiefe mindestens 2 cm (Dunkelkeimer)

Die Aussaat ist ebenfalls möglich und erfolgt im April/Mai, lieber etwas zu zeitig, als zu spät, weil die Samen bei kühlerer Witterung besser aufgehen, als bei Hitze. Die Alten meinten, man säe am sichersten, wenn die Obstbäume blühen. Die Saatstelle sollte absolut frei von Unkraut sein, denn die Keimdauer beträgt 3 bis 4 Wochen. Gesät wird 2 cm tief. Die Samen werden gut mit Erde überdeckt und der Boden dann etwas angedrückt. Schnittlauch ist ein Dunkelkeimer.

Schnittlauch und Bohnenkraut im KräutergartenEs gehört in jeden Kräutergarten.

Pflege und Schnitt (Ernte)

Wie oben schon erwähnt, darf das Küchenkraut nicht trocken stehen aber auch nicht stauender Nässe ausgesetzt sein. Zudem darf der Boden nicht sauer werden. Früher gab es immer die Empfehlung, den Schnittlauch im Winter mit Ruß zu düngen. Heute nimmt man dafür Gartenkalk oder alternativ Holzasche. Diese macht den Boden basisch und versorgt ihn gleichzeitig mit Kali, was den Pflanzen sehr zuträglich ist. Das Kraut kann im Sommer mit einem Flüssigdünger (handelsüblicher Blumendünger) 2 bis 3 x mit Nährstoffen versorgt werden. Alternativ zum Handelsdünger können wir, wie es der Autor macht, Düngejauche gießen.

"Je mehr man Schnittlauch schneidet, desto besser wächst der Schnittlauch", schreibt Elly Petersen in ihrem "Gelben Gartenbuch", München 1929. Das ist zunächst eine gute Botschaft. Der Schnitt muss aber so erfolgen, dass kurz über der Blattbasis abgeschnitten wird, damit neue Blätter problemlos treiben können. Das geschieht in etwa in 1 cm Höhe. Schneidet man zu flach ab, kann das dem Neuaustrieb schaden. Aber auch zu hoch sollte nicht abgeschnitten werden, denn dann bildet sich mit der Zeit ein Filz von abgestorbenen Pflanzenresten auf dem Beet und man muss dann diese Reste nach der Ernte jedes Mal aufwändig auslesen.

Ende Mai beginnen die Pflanzen zu blühen und bilden violettfarbene Scheindolden aus. Die Blütentriebe sind aber hart und für die Küche nicht zu gebrauchen. Auf dem Balkon kann man sie bequem herausschneiden. Auf dem Beet wird das nicht gemacht, doch in dieser Zeit besser öfter zurückgeschnitten, was bald die Blütenbildung unterdrückt. Wer genug Schnittlauch zur Verfügung hat, sollte ihn aber auch ruhig blühen lassen, denn die Blüten sind essbar und sehr dekorativ. Schnittlauch kann bis in den Oktober hinein geschnitten werden. Erst der Frost setzt seinem Wachstum ein vorübergehendes Ende.

Treiben im Frühjahr

Für den Winterbedarf kann der Gartenbesitzer im zeitigen Herbst den Schnittlauch vom Beet aufnehmen und in Blumenkästen oder Töpfe pflanzen. Dann werden die Behältnisse kühl gestellt*. Das Laub der Schnittlauchpflanzen stirbt ab. Ab Februar können die Töpfe dann hell und warm gestellt werden (Küchenfenster), was das erneute Austreiben der Pflanzen zur Folge hat. Zu warm dürfen sie aber auch nicht stehen, da die Stängel mit zunehmender Wärme nur immer dünner werden.

Der Autor hat festgestellt, dass man die bepflanzten Gefäße im Kleingewächshaus ab Februar auf einer Stellage wunderbar zum Treiben bringen kann, was zudem die Fläche vom unbeheizten Treibhaus optimal ausnutzt. Häufig ist es doch so, dass in solch einfachen Gartengewächshäusern die Beete am Boden bereits mit Wintersalat und Portulak schon voll belegt sind, und dass es weniger Kulturen gibt, die in der 2. Ebene ohne viel Aufwand angebaut werden können.

– Tipp:

Die einfachste Methode, im Garten Schnittlauch zeitig ernten zu können, ist aber folgende. Man suche sich im Garten einen geschützten Platz, der ab Februar zuerst und am längsten von der Sonne beschienen wird. Hier pflanze man einige Büschel des Küchenkrautes ein und möglichst ein groß wachsende Sorte. Als sogenannte Sonnenfalle können wir neben der Stelle (Nordseite) noch Steine platzieren, die sich in der Sonne aufwärmen und auf die Pflanzen abstrahlen.

Verwendung

Das frische Würzkraut ist reich an Mineralien, Kalcium [1], Eisen, Vitaminen und auch an pflanzlichem Eiweiß. Der regelmäßige Verzehr soll einer basische Ernährung dienlich sein. Zudem sagt man dem Kraut nach, dass es Blutdruck- und Cholesterinspiegel- senkend wirken soll – so wie das viele Küchenkräuter tun. Die allgemeine Verwendung von Schnittlauch in der Küche ist bekannt (Würzkraut, Frankfurter Grüne Soße usw), sodass wir uns hier nur auf die Dinge konzentrieren müssen, welche weniger im Fokus stehen:

So sollte der Lauch erst kurz vor der Verwendung klein geschnitten werden, da er sonst bitter wird. Wenn wir das Küchenkraut länger aufbewahren wollen, dann ist es besser, wenn wir es einfrieren, als trocknen. Allerdings ist in älterer Literatur zu lesen, dass die Zugabe von Schnittlauch in einer Kräutermischung das Aroma der anderen Kräuter betonen soll – womit sicher Trockenkräuter gemeint sind. Es gibt aber auch noch die Möglichkeit Mischungen in Salz einzulegen, also Kräutersalz herzustellen. Hierin sollte dann der Schnittlauch nicht fehlen.

Was wiederum für die frische Verarbeitung spricht – also für die saisonale Verwendung – so sollten wir überhaupt für eine gesunde und basische Ernährung täglich reichlich Kräuter unseren Mahlzeiten beimischen. Hier ist unser Schnittlauch ideal, vor allem, weil er sehr schnell zubereitet ist. Theoretisch lässt sich nämlich gern und viel über Ernährungstipps philosophieren, doch wenn die Zubereitung der Mahlzeiten in der Praxis zu aufwändig ist, dann bleibt es alles nur schöne Theorie, über die man viele reden und Vorträge halten kann. Auf jeden Fall ist Schnittlauch sehr einfach anzubauen, sehr wüchsig, schnell zu ernten und zu verarbeiten und somit ist es sehr brauchbar.

Was noch zu beachten ist: Schnittlauch wird bei Speisezubereitungen nie mit gekocht oder gebraten. Erst am Ende kommt das Kraut in die Suppe, Pfanne oder Rührei. Für das Mitkochen gibt es aber eine Alternative:

Schnittknoblauch und Fermentation

Ein ähnliches Gartenkraut, ist neben der bekannten Petersilie und Schnittsellerie, der Schnittknoblauch. Bei uns ist letzterer vielleicht weniger bekannt, doch in Ostasien (China, Japan und vor allem in Korea) ist er mindestens so viel im Einsatz, wie unser Schnittlauch. Es ist ein Lauch, der ein geschmacklich ein wenig vom Knoblauch hat. Was ihn vom Schnittlauch unterscheidet ist, dass wir dieses Küchenkraut mit kochen oder im Wok zubereiten können. Schnittknoblauch kann auch fermentiert werden. In Korea gibt es rein milchsauer eingelegten Schnittknoblauch oder in der Verwendung als Beigabe z.B. im "koreanischen Sauerkraut", dem Kimchi. Mittlerweile – da das Fermentieren ein Hobby geworden ist – nimmt man für fermentierte Kräuter- und Gemüsemischungen (letztlich alles eine Art Kimchi) auch Schnittlauch als Beigabe.

Schnittlauchöl und Schnittlauchpesto herstellen

Aus der Küche der Sterneköche haben wir vielleicht schon vom Schnittlauchöl gehört. Auch die Variante mit 50% Schnittlauch und 50% Petersilie ist bekannt, oder eine andere entsprechende Kräutermischung (z.B. mit Schnittknoblauch). Auf jeden Fall ist es eine gute Möglichkeit der Haltbarmachung von Küchenkräutern. Die Grundrezeptur bezieht sich auf die Menge von 100 g Kräuter und 100 mg Öl. Als Öl verwenden wir natürlich ein gutes, kalt gepresstes Öl aus dem Bioladen oder wir beschaffen es uns direkt aus einer Ölmühle vor Ort (oder online bestellen).

Zubereitung als Kräuteröl:

  1. trockene! Kräuter mit einem sehr scharfen Messer in Zentimeterstücke schneiden
  2. Öl und Kräuter in einen Mixer geben und mixen und dann ...
  3. in einem Topf vorsichtig auf etwa 80 bis 100°C erhitzen und wieder abkühlen lassen
  4. durch ein Feinsieb geben und
  5. von dort allein ohne nachzuhelfen durchfließen lassen, sonst verschmutzt das Öl und
  6. in einer gut verschließbaren Flasche aufbewahren
  7. kühl und dunkel stellen

Der "Trester" vom abgelaufenen Öl braucht nicht weggeworfen zu werden. Wir stellen aus ihm Schnittlauchpesto her. Entsprechend den oben angegebenen Mengenverhältnissen geben wir 100 g pürierte, weitere Zutaten hinzu, je nachdem wir das Pesto ausgestalten möchten. Z.B. mit Sonnenblumenkeren und Parmesan, Walnüssen, Cashewkernen, süße Mandeln und/oder Knoblauch. Das Ganze wird vermischt und mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer angeschmeckt. Eventuell geben wir noch ein wenig Öl hinzu und fertig ist das Pesto.


* Abkürzung ssp. die Bedeutung ist: subspecies = Unterart; die Unterart steht in der botanischen Ordnung unterhalb der Art und oberhalb der Varietät

** In einem Gartenbuch aus dem Jahr 1978 (Freude am Garten) wird empfohlen, die Schnittlauchtöpfe im Herbst kühl zu stellen z.B. zwischen die Doppelfenster (und das Laub stirbt erst einmal ab), und erst ab Februar wurden sie ins Warme gesetzt (am Küchenfenster), doch auch nicht zu warm, denn dann sprießen nur dünne Hälmchen.

[1] vor allem Kalzium macht den Körper "basisch" (siehe auch Kalzium-Kalium-Verhältnis bei der Ernährung)