Kohlbeete

Das Kohlgemnüse (Brassica oleracea) [1] in seinen Kulturvarianten zum Beispiel als Kopfkohl, Kohlrabi oder Brokkoli ist im Kleingarten theoretisch sehr leicht anzubauen. Wir müssen lediglich im April die entsprechenden Jungpflanzen kaufen und pflanzen und ernten später das Gemüse selber, welches wir bisher im Supermarkt kaufen mussten. Doch so einfach ist die Sache nicht. So benötigt etwa der Kopfkohl auf dem Beet viel Platz, den wir nicht immer zur Verfügung haben. Hinzu kommt, dass wir diese Gemüseart nicht ständig auf der gleichen Fläche anbauen können, da sich dann Schädlinge einstellen und der Boden ziemlich stark ausgelaugt wird. So ist es am Ende doch etwas schwierig, wenn wir bei uns in einem kleineren Nutzgarten vorzugsweise Kohlgemüse anbauen wollen. Dort passiert es immer wieder, dass wir zwei oder drei Jahre lang mit entsprechenden Kulturen gute Ernten haben, die dann aber von Jahr zu Jahr misslicher werden. Wenn also unser Gartenland nur noch mit aufwändiger Düngung Erträge bringt, ist die Ursache nicht selten der übermäßige Anbau verschiedener Brassica-Arten.

Der Umstand, dass wir im Eigenanbau diese Kohlgemüse oft zu viel Säen oder Pflanzen ist simpel. Wir sind es gewohnt, diese im Supermarkt viel zu kaufen. Dass diese wiederum im Handel (also letztlich im Supermarkt) vorzugsweise angeboten werden, liegt daran, dass sie sich leicht und ohne Qualitätsverlust transportieren lassen und das sie sich in der Auslage lange halten. So haben wir uns – und auch schon unsere Eltern – über Jahrzehnte daran gewöhnt, bestimmte Gemüse zu kaufen und in der Küche zu verwenden. Wer nun aber als Selbstversorger auf eigene Gartengemüse umsteigen möchte, der braucht eine ganz andere Herangehensweise. Er muss sich auf diejenigen Arten umstellen, die sich langfristig effizient anbauen lassen. Artenvielfalt ist nun gefragt, wobei uns das auch die Chance bietet, sehr edle Gemüse anzubauen, die im Supermarkt selten oder teuer sind. Grünspargel, Schwarzwurzeln, junge Artischocken oder edle Knoblauch-Sorten wären doch eine Überlegung wert – oder?

Sinnvoll auswählen!

Prinzipiell rate ich nicht von allen Kohlarten ab. Wir sollten sie aber wirklich gut auswählen. Einerseits gibt es zum Beispiel den Kohlrabi und Grünkohl. Beide Arten laugen den Boden weniger stark aus, wie etwa ein Rotkohl. Sie sind für Kleingärten empfehlenswert.
Auf der anderen Seite gibt es Gemüse – wie Blumenkohl, diverse Brokkoli-Varianten bis zum Romanesco oder auch der in der zweiten Jahreshälfte anzubauende Chinakohl – die bei besonderer Kultur und Pflege und in kleiner Stückzahl – ideale Selbstversorger- bzw. Kleingarten-Gemüse sind. Gehen wir etwas tiefer in das Thema:

Beim Grünkohl werden immer die untersten Blätte gepflückt. So entsehen kleine 'Palmen' und daher auch der Name: Palmkohl.

Die Besonderheiten der Kohlgemüse

Sämtliche Kohlarten sind Tiefwurzler. Sie wachsen dort am besten, wo der Boden tiefgründig, fest und feucht ist. Besonders wichtig ist, das Land, auf dem Kohl angebaut wird, immer gut zu kalken. Auf versauertem Boden wird der Kohl leicht von der gefürchteten Kohlhernie befallen und außerdem anfällig für allerlei Pilzkrankheiten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Anbau von Kohl ist der Fruchtfolgewechsel. Da Kohl nie auf Kohl angebaut werden darf, ist es nötig, das Beet nach dem Anbau von Kohl ein Jahr mit anderen Gemüsearten zu bestellen. Bei leichten Böden ist diese Wartezeit sogar noch länger (2–3 Jahre). Das Gleiche gilt in noch strengem Maße für die Erde der Saatbeete, das heißt sie bedürfen einer Karenzzeit von drei Jahren.
Geeignetes Land für den Anbau liegt nur in den Niederungen, nie an Hängen und auf Höhen. Die sogenannten Kohlgärten guter alter Zeiten, wie man sie früher in vielen Orten am Rande feuchter Wiesen fand, bieten die günstigsten Verhältnisse für den Anbau der verschiedenen Kohlarten.
Alle Arten vertragen reichliche Düngung und Wässerung. Man könnte zwar auch auf gewöhnlichem Gartenland durch Rigolen und durch reiches Düngen und zudem noch mit fettem Mist gedüngt übergroße Kohlköpfe von riesigem Umfang ziehen. Aber diese früher so genannten "Mastkohlköpfe" sind grob in der Zubereitung und außerdem nicht so bekömmlich wie die Weißkrautköpfe von mildem, altgedüngtem Boden. Auch die Haltbarkeit auf dem Winterlager leidet durch zu starke Düngung. Eine Kultur mit Maß und Ziel ist also wichtig und, wenn möglich, der Anbau auf optimalem Standort.
Je nachdem, welche Möglichkeiten der eigene Garten nach Boden und Standort hergibt, hat man jedoch bei der Wahl der Kohlgemüsearten schon noch einen weiten Spielraum, denn nicht alle Sorten stellen so außerordentlich hohe Ansprüche.

Am Anspruchsvollsten ist der Blumenkohl, der durchaus besten, lockeren, warmen, altgedüngten Boden braucht, und auch viel gegossen werden muss. Die geringsten Ansprüche an den Boden stellt der Grünkohl, der so ziemlich überall wächst und gedeiht.

Frühkohlrabi in ZwischenkulturanbauFrühkohlrabi lohnt sich vor allem als Zwischenkultur. Hier steht es zwischen Rotkohl und ist bald erntereif.

Frühkohlrabi gerät am besten in leichtem, warmen Sandboden in guter alter Kultur (auf gutem alten Kulturland). In trockenem Boden wird mit gutem Kompost gedüngt. Es gibt von fast allen Kohlarten frühe, mittlere und späte Sorten, beziehungsweise Sorten mit kurzer und längerer Kulturzeit. Die Frühsorten sind dann meist diejenigen mit kurzer Kulturzeit, welche aber über das ganze Jahr kultiviert werden können. Sie sind dann nur nicht so ertragreich wie die Kohlarten mit langen Wachstumszeiten. Dafür werden sie enger gepflanzt, und so ergibt es am Ende für den Ertrag pro Quadratmeter ein ähnliches Ergebnis. Kohlsorten mir kurzer Kulturzeit können zudem einer zweiten Beetbestellung als Vor– oder Nachkultur dienen. Ein Kohlrabibeet kann schon im Juni neu bestellt werden, oder auf abgeerntete Beete Ende Juli/Anfang August lässt sich hervorragend Chinakohl nachbauen, ohne dass man vorgezogene Pflanzen benötigt, denn Chinakohl wird direkt ins Freiland gesät.

Im Selbstversorgergarten pflanzt man gern auch zu gleicher Zeit Sorten mit verschiedenen Kulturzeiten nebeneinander aus und kann dann über einen langen Zeitraum hin frisches Gemüse ernten. Nach der Ernte der frühen Kohlarten haben dann die späten genügend Platz, um sich auszubreiten. Am Bekanntesten ist diese Anbaumethode vielleicht beim Kohlrabi, Brokkoli, Weißkohl oder Wirsingkohl. Nach meinen Erfahrungen ist es dann aber wichtig, die Jungpflanzen selber heranzuziehen, damit man die speziellen Sorten sorgfältig wählen kann.

Zum Eigenverbrauch ist es auch nicht nötig, jedes Mal den Inhalt einer ganzen Samentüte zu verschwenden. Von der einen oder anderen Kohlsorten sähe ich oft mit einzelnen Körnern nur fünf bis 10 Stück aus, um drei bis sieben gesunde Pflänzchen zu bekommen. Die Samen sind an die fünf Jahre keimfähig, was dann die Kosten für das Saatgut überschaubar hält. Es ergibt durchaus einen Sinn, darüber einen Plan aufzustellen, wie viel Gemüse man von jeder Art und Sorte über das Jahr genau benötigt. Die Notizen darüber sollte man schnell verfügbar im Garten (z.B. in der Gartenlaube) haben, wenn man sie dann bei den Aussaatarbeiten braucht.

Gute Planung in allen Gartenarbeiten spart viel Zeit. Man schafft es dann auch, mehr verschiedene Gemüsearten und -sorten gleichzeitig anzubauen. Daneben ist die Vielfalt in den Sorten ohnehin vorteilhafter als Monokulturen. Außerdem gilt in diesen Dingen auch der Grundsatz: wer die Regeln beherrscht, der kann auch Ausnahmen machen, was heißen soll: Wem die wichtigen Grundarbeiten im Garten schnell von der Hand gehen, der hat auch genügend Zeit und Muse für Experimente. Für die eine oder andere Kohlart kann man den Samen durchaus zum Beispiel selber gewinnen.

Der Samen wird nicht an Ort und Stelle im Garten ausgesät (ausgenommen Chinakohl), sondern vielmehr werden auf besonderen Saatbeeten unter Glas oder im Freien kräftige Pflanzen herangezogen und verpflanzt, wenn sie fünf bis sechs Blätter haben. Zu dieser Entwicklung auf dem Saatbeet sind vom Tag der Aussaat an etwa sechs Wochen nötig. Sollen die Pflanzen auf dem Saatbeet kräftig und stämmig werden, so sind auf einem Quadratmeter Saatbeet oder in eine acht Meter lange Rille nicht mehr als drei Gramm Samen auszusäen. Wir säen dabei die verschiedenen Kohlarten gleichzeitig nebeneinander, weil das die Arbeit sehr vereinfacht. Folgende Aussähzeiten kommen in Betracht:

  1. Frühbeetaussaat in den ersten Märztagen, auch schon im Februar. Alle frühen Kopfkohlarten, Blumenkohl, frühe und späte Sorten, und Kohlrabi-Frühsorten.
  2. Erste Freilandaussaat 1. bis 10. April. Sämtliche späten Kopfkohlarten, nach Bedarf auch schon Frühsorten für späte Kultur, ferner Blumenkohl, Frühkohlrabi, außerdem Rosenkohl. Pflanzzeit Anfang bis Mitte Mai.
  3. Zweite Freilandaussaat Mitte Mai und auch noch Anfang Juni. Von Kopfkohl nur noch Frühwirsing, denn Rot- und Weißkohl werden selbst in Frühsorten bei später Aussaat nicht mehr sicher reif, außerdem Grünkohl und Kohlrabi; auch Kohlrüben werden um diese Zeit gesät. Pflanzzeit Mitte Juni bis Juli.
  4. Chinakohl wird an Ort und Stelle von Mitte Juli an direkt ins Freiland gesät. Dieser Kohl ist ein ideales Herbstgemüse und bemerkenswert, weil er einen sehr hohen Ertrag, bezogen auf die kurze Kulturzeit bringt. Weniger bekannt ist, dass Kohlgemüse auch im Spätsommer gesät werden kann, wobei die Jungpflanzen dann überwintern.
  5. August-Septemberaussaat für das Überwintern der Pflanzen im kalten Kasten unter Glas oder in guten, geschützten Lagen unter leichter Decke (Fichtennadeln zwischenstreuen) auch im Freien, Früher Weißkohl, Früher Wirsing, Früher Rotkohl. Pflanzzeit Ende März.

Kein Kohl auf Kohl anbauen

Eine junge Pflanze zehrt den Boden sehr aus und braucht auch aus anderen Gründen kräftiges, neues Erdreich, auf dem im Jahr zuvor kein Kohl gestanden hat. Es ist auch ungünstig, entsprechende Saatbeete immer an der gleiche Stelle oder mit verbrauchter Erde herzurichten. Am besten sind Beete, die im Jahr zuvor Bohnen oder Gurken getragen haben. Mehr zur Thematik hier >


Literatur & Quellen:

[1] Brassica oleracea ist der Gemüsekohl (z.B. Kopfkohl, Kohlrabi, Brokkoli usw.). Hinzu kommt aber auch Brassica rapa, die Rübse. Sie bauen wir als Rüben- und Blattgemüse (z.B. Pak Choy, Rübstiel) an. Die Kohlrübe (Brassica napus subsp. rapifera Metzg.) ist eine Kreuzung der beiden zuvor genannten Arten.

Bier, A.; Lohnende Gemüsezucht; Erfurt um 1925, im Verlag des Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau

Sobischek, Josef; Der kleine Garten; Wien und Leipzig, um 1940

Böttner, Johannes; Gartenbuch für Anfänger; 1944

Prof. Dr. Jürke Grau, Dr. Hans-Christian Friedrich; Mein Gartenjahr; HonosVerlagsAG Zug 1988

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