Astern und Herbstastern im Garten – Stauden für üppige Blumen-Rabatten

Aster novae-angliae 'Rubinschatz' Raublatt-Aster

Die Astern, und da meine ich vor allem die Herbstastern, sind aus unseren Gärten nicht wegzudenken. Wenn der Sommer nach und nach ausklingt, ist ist ihre hohe Zeit. Dann versetzen sie die Staudenrabatten noch einmal in eine letzte, üppige Blütenfülle. Genau genommen, ist es die herbstliche Stimmung, welche diese ausdauernden Blütenstauden bereits im Spätsommer ankündigen, um dann mit den immer kürzer werdenden Nachtsommern (Altweiber- u. Martinisommer [1]) bis in den November hinein, immer noch einmal allerletzte Blütenköpfchen zu entfalten. Die kleinblütigen Myrtenastern, als echte November-Blumen, schließen den Jahreskreis endgültig. Neben Frühjahrs-, Sommer- und Herbstastern gibt es zwar auch noch die sogenannten Winterastern, doch gehören letztere (Garten-Chrysanthemen) einer gänzlich anderen Art an. Sie sollen hier nur am Rande Erwähnung finden.

Kurz noch etwas Wichtiges zur Botanik ....

Es gibt gut 150 verschiedene Arten der Gattung Aster (Sternblume), von denen aber nur wenige im Garten Verwendung finden, wie etwa Aster alpinus, A. amellus oder A. sedifolius. Die Pflanzengattung Aster gehört dem Tribus Astereae an. Dieser fügt sich in die Unterfamilie Asteroideae und diese in die Pflanzenfamilie der Asteraceae (Korbblütler). Die Korbblütler wiederum gehören zur Ordnung der Asterales (Asternartigen). Sprachlich leitet sich dies vom griechischen Wort aster ab, was Stern bedeutet und auf die sternartigen Blüten hindeutet. Der Name Aster für diese Blumen ist auch schon seit der Antike gebräuchlich.

Aster sedifolius Nanus Zwergaster hellblauA. sedifolius 'Nanus', Blüte im Sommer

Allerdings ist es nicht korrekt, wenn wir der oben stehende Systematik die Mehrzahl unserer Garten-Astern zuordnen, denn viele der Zier-Arten sind heute nicht mehr dieser Gattung zugehörig. Sie wurden botanisch neu eingeordnet und über den Tribus anderen Pflanzengattungen zugeteilt, wie etwa Eurybia und Symphyotrichum. Ich weiß nun nicht, ob es sinnvoll ist, diesbezüglich weiter ins Detail zu gegen, zumal im Zierpflanzenbereich immer noch die alten Namen Verwendung finden. Beispiel: So ist die Glattblatt-Aster, die neuerdings den botansichen Namen Symphyotrichum novi-belgii bekommen hat, in der Staudengärtnerei immer noch die Aster novi-belgii und die Raublatt-Aster (Symphyotrichum novae-angliae) die Aster novae-angliae Das heißt also: die wichtigsten Zierastern sind eigentlich gar keine echten Astern, doch das mag uns nicht kümmern. Hinzu kommt natürlich auch noch, dass viele unserer Gartenformen gezüchtete Hybriden sind, also Kreuzungen verschiedener Arten, sodass manche Gärtner nur noch von Herbstastern-Typen sprechen. So gibt es beispielsweise die Art A. dumosus (Kissenaster), welche in Physiognomie, Habitus und Blütenform bestimmte Eigenschaften aufweist. Die entsprechenden  Gartenformen sind nur noch Hybriden und wenn diese Pflanzen mit A. dumosus benannt werden, dann ist mit diesem Sammelnamen (oder mit der Bezeichnung "Domosus-Hybriden") mehr die optische Erscheinung gemeint, als die genaue botanische Bezeichnung.

Standortbedingungen und Pflegehinweise

Am häufigsten sind die Glattblatt-Astern (A. novi-belgii) in den Gärten zu sehen. Sie stammen meist von uralten Exemplaren, die sich gut entwickelten und immer wieder getauscht wurden. Wir finden sie auch unten auf dem Aquarell. Sie ist aber auch heute noch die robusteste Art, zudem verträgt sie ein wenig Streuschatten, was ebenfalls ein Grund für die weite Verbreitung ist. Abgesehen von A. novi-belgii und A. divaricatus (Sperrige Aster), wollen die anderen Formen in voller Sonne stehen, besonders die Frühlings- und Sommersorten!

Was den weiteren Anspruch an den Standort betrifft, so ist den Stauden jeder Gartenboden recht, wenn er nahrhaft und wasserdurchlässig ist. Bei Trockenheit ist gut zu wässern!

Aster ericoides Golden SprayKleine Sternenblütchen im November: A. ericoides 'Golden Spray'

Herbstastern sind in unseren Gärten beliebt. Die Schönsten Formen sind wohl die Kissenastern (Bild) und die filigranen Myrthenastern (unten weiter ausgeführt). Die Letzteren sollten aber unbedingt aus der Nähe betrachtet werden können, um die winzigen Sernenblüten in Ruhe betrachten zu können. Die Stauden können alle leicht durch Teilung vermehrt werden und so werden sie oft unter Gartennachbarn getauscht.

Sorten und deren Verwendung

Die Gartenblumen, allesamt winterharte Stauden sind, werden schon sein Ende des 16. Jahrhunderts in unseren Gärten kultiviert. Hundert Jahre später wurden bereits A. novi-belgii und A. novae-angliae den alten Sorten hinzugefügt und weitergezüchtet. So schreibt Grunert in seinem Buch "Gartenblumen von A bis Z" [1] sinngemäß: "Die Zahl der in den Gärten ausprobierten Arten und die Menge der Züchtungen ist beträchtlich. So hatte das Sortiment bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einen Umfang, der weit über die Bedürfnisse hinausging." Ich glaube, dass sich an dieser Feststellung, dass die Fülle der Formen an Garten-Astern zumindest für den normalen Gartenbesitzer unübersehbar ist, nicht groß geändert hat. Das Ergebnis dieser Überfülle ist dann oftmals völlige Ratlosigkeit. Man kauft mal diese oder jene Staude – ist aber Konzeptionslos. Das Problem ist jedoch einfach zu lösen und so möchte ich, bevor ich tatsächlich auf die einzelnen Sortengruppen eingehe, einen Lösungsvorschlag anbieten. Dazu schauen wir uns das folgende Aquarell an.

Problemlösung

Herbstastern Aquarell von Gertrude Jekyll

Gertrude Jekylls (1843−1932), von welcher das oben abgebildete Aquarell stammt, war eine begabte Malerin von Blumen und Gärten. Die aus London stammende Engländerin war aber noch mehr eine bekannte und geachtete Gartengestalterin und Buchautorin, wobei sie ihre Aufmerksamkeit besonders den Landhausgärten galt. Jekyll vertrat die Auffassung, dass malerische Gartenmotive dadurch entstehen, dass der ländliche Garten eine klare architektonische Struktur aufweisen muss. Auf der anderen Seite sollten aber Pflanzen und vor allem Blumen und Farben die architektonischen Linien und Grenzen überschrieben dürfen. Erst dieser optische Kontrast macht einen Garten romantisch.

Für die genannten Zwecke der Gartengestaltungs-Prinzipien der englischen Gestalterin kommt es aber weniger darauf an, sehr viel Blumen kunterbunt zu pflanzen, sondern wenige, aber robuste Arten. Und es kommt darauf an, dass wir die Stauden für eine eine Rabatte so wählen, dass sie alle zur gleichen Zeit blühen (siehe Aquarell oben). Die Idee vieler Gartenfreunde heutzutage ist ja eher die, "immer etwas blühendes" im Garten haben zu müssen. Aus der Sicht der Gartengestaltung ist das jedoch nicht erstrebenswert. Karl Foerster beschrieb dieses mit dem "Verflattern der Blütenwirkung". Wir konzentrieren und also besser auf wenige, robuste Gartenastern – also zwei oder drei Sorten. Die Auswahl dieser wenige Sorten sollte dann aber auch noch zur gleichen Zeit blühen.

Mit der zuletzt genannten Vorgabe, können wir nun also auf die Suche gehen und nach diesem Konzept die verschiedenen Beschreibungen der Sorten checken. Allerdings rate ich in solchen Fällen statt drei benötigter Sorten zunächst die doppelte Menge zu kaufen und zu pflanzen. Diese werden dann über die nächsten zwei oder drei Jahre gut beobachtet und die weniger geeigneten Käufe aussortiert. Wie müssen sie nicht gleich auf den Kompost werfen, sondern verschenken sie weiter. An anderer Stelle auf anderem Boden gesetzt, entwickeln sie sich mitunter wieder ganz anders, als bei uns.

Aus der Fülle der Astern-Sorten können wir nun also nach verschiedenen Kriterien wählen:

Blütezeit

Eine der hauptsächlichsten Einteilung der Gartenastern ist die nach der Blütezeit, wobei zunächst nach der Jahreszeit unterschieden wird:

'Frühlingastern'
Blüte im Mai und Juni; meist die Art A. alpinus oder A. tongolensis
'Sommerastern'
Blüte im Juli, August, bis Mitte September; meist die Art A. amellus (Bergaster), A. linosyris oder A. sediflorus
'Herbstsastern'
Blüte von ab Mitte September bis Oktober; z.B. Dumosus-Hybriden, A. nova-angliae (Raublatta.), A. nova-belgii (Glattblatta.)
'Spätherbst-Astern'
Blüte von Oktober bis November; A. ericoides (Myrthenaster), A. parviceps (Kleinblütige Aster). Die am längsten blühenden Sorten sind:
A. parviceps 'Edi Niedermeyer' - Eine weiße Sorte der "Armblütigen Aster"; nur 70 cm hoch
A. lateriflorus 'Finale' = beste und späteste Sorte, in Rottönen blühende Sorten*
A. lateriflorus, 150 cm hoch, lilarosa Rispenblüten ab Anfang September.*
*Die Art A. lateriflorus ist für Blumensträuße ungeeignet, da sich die Blumen am Abend schließen.

Einteilung nach Höhe der Stauden

Die Stufengen der Höhe habe ich hier nach eigenem Ermessen festgelegt. Sie orientiert sich etwas an der verschiedenen Formen von Blumenrabatten, die wir anlegen können, bzw. an dem geplanten Einsatz.

Kissenastern
Um die 25 Zentimeter hoch; meist die Art A. alpinus oder A. tongolensis. Diese Formen können wir zusammen mit Posterstauden pflanzen, bzw. im Steingarten verwenden. Etwas höher werden die Dumosus-Hybriden.
Bis 70 Zentimeter Höhe
Meist die Art A. amellus (Bergaster), A. linosyris oder A. sediflorus. Diese Sorten eignen sich besonders gut für Blumenrabatten von mittlerer Höhe
Um einen Meter Höhe
Dumosus-Hybriden, A. nova-angliae (Raublatta.), A. nova-belgii (Glattblatta.), A. cordifolius. In der Regel müssen diese Sorten etwas angebunden werden, damit sie nicht überkippen.

Auswahl nach Farben

Das Farbspektrum der verschiedenen Gartenastern reicht von weiß über alle Spielarten von violett-blau über violett und pink, neuerdings bis zum rot. Dabei sind die neueren Züchtung in der Regel auch die farbkräftigeren. Besonders einige Sorten der Dumosus-Hybriden und der Raumblattastern (A. nova-angliae) weisen wunderschöne leuchtende Farben auf, wie

Auswahl nach Typ

Aster-Dumosus-Hybriden, das sind die Kissenastern. Die Kissenastern eigenen sich für Steingärten, niedrige Blumenrabatten oder Gräber. Aster dumosus wird je nach Sorte 20 bis 50cm hoch und blüht September/Oktober in den Farben blau, rosa und weiß. Die Pflanzen können lange an einem Standort stehen.

Kissenastern Aster Dumosus-Hybriden als GrabbepflanzungDumosus-Hybriden als Grabbepflanzung

Typ Myrtenastern (Erika-Aster, Septemberkraut) und ähnliche.

  • Aster cordifolius, Schleieraster – bis 120 cm hoch, weiße, lila und lilarosa ab September
  • A. divaricatus, Sperrige Aster
  • A. ericoides Myrtenaster, Septemberkraut – Blüte ab Ende September, weiße Sternchenblüte 70 bis 100 cm hoch
  • A. ericoides 'Herbstmyrte' – alte, sehr schöne Sorte, weiß
  • A. ericoides 'Erlkönig' – hellviolett, 120 cm hoch
  • A. laevis, lichtblaue Wildaster (Myrtenaster) – kleine lavendelblauer Blüten, sehr gute Schnittblume, 120 cm hoch
  • A. pringlei 'Monte Cassino' (Myrtenaster) – reinweiße Blüte, bis 1 m hoch

Arten, die sich als Schnittblumen eignen

Die eingangs erwähnten Garten-Chrysanthemen sind diejenigen klassischen Schnittblumen, die wir als Schnittblumen bezeichnen. Sie halten sich 10 Tage und länger in der Vase. Auch sie können als mehrjährige Stauden gezogen werden, doch meist werden sie wie zweijährige Sommerblumen behandelt. Im ersten Jahr wird durch Aussaat oder Steckling vermehrt und im zweiten Jahr geschnitten. Für den Eigenbedarf wähle man nicht die großblumigen Sorten der Chrysantheme, sondern die unempfindlicheren mittelblumigen.

Die oben aufgeführten Formen der Stauden-Astern lassen sich natürlich auch für Sträuße verwenden, doch halten sich die Blumen nicht so lange in der Vase, wie die der Chrysanthemen.


(Altweiber- u. Martinisommer [1]) diese vielen Nachsommer sind in meinem "Immerwährenden Gartenkalender Nr. 2" mit dem Untertitel "Herbstanbau von Gemüse" (siehe Werbung unten) ausführlicher behandelt.

[1] Christian Grunert, Gartenblumen von A bis Z Radebeul 1972

Karl Foerster: Der Steingarten der sieben Jahreszeiten. 1987