Ein Bambushain im Garten – und eine Spielplatz-Idee


Es fällt auf: Wer einen Garten nicht bloß „anlegt“, sondern gestalten will, trägt oft eine gewisse Sehnsucht nach dem Fernen Osten mit sich. Japanische Gärten werden durchgeblättert, Steine und Kies im Geist schon gesetzt – und dann doch verworfen. Zu abstrakt wirkt das Ganze, zu sehr auf Betrachtung angelegt, zu wenig auf den Alltag.

Der Wohngarten siegt. Kommen Kinder hinzu, folgt die Spielecke, oft das Planschbecken. Die Ambition kennt man. Der Mut zur stilistischen Konsequenz fehlt meist.

Gerade deshalb lohnt ein anderer Gedanke: ein kleiner Bambushain. Er kommt den fernöstlichen Vorstellungen näher, als man zunächst glaubt – ohne den Garten zur Kulisse zu machen.

transparenter Bambushain

Was punktet

Bambus liefert Flair und Nutzen zugleich. In seinem Habitus liegt jene Leichtigkeit, die man mit Gelassenheit verwechselt, weil sie so aussieht. Die Halme stehen, wiegen, rauschen. Zugleich ist die Pflanze robust. Sie schützt vor Blicken und, richtig gesetzt, auch vor Wind.

Windschutz wirkt am besten, wenn er den Luftstrom nicht abrupt staut, sondern kämmt und so gleichsam herabtransformiert. Sichtschutz bleibt über das Jahr wirksam, weil der Gartenbambus wintergrün ist. Das unterscheidet ihn vom häufig verwendeten Chinaschilf (Miscanthus). Miscanthus stirbt oberirdisch ab; stehen lassen darf man ihn, schneiden muss man ihn. Bambus verlangt weit seltener den großen Eingriff.

Ein Hain trennt zwei Gartenteile – oder verbindet sie. Der Weg durch das Dickicht ist keine Zutat, sondern Pflicht. Er macht die Anlage geheimnisvoll. Ein Pfad ins Ungewisse weckt Neugier. Und Neugier ist, was Gärten lebendig hält.

Bambusgarten und eine versteckte Plastik
Buddhafigur im Bambuswald
Bambus im Garten

Weniger Arten, mehr Ruhe

Die gartenwürdigen Bambusse sind zahlreich. Beschränkt man sich auf die horstbildenden, also nicht ausläufernden Formen, schrumpft die Wahl auf das Bewährte: den Gartenbambus der Gattung Fargesia.

Am häufigsten stehen:

  1. Fargesia nitida und ihre Sorten (‘Black Pearl’, ‘Jiuzhaigou’) – oft schlanker, von eleganter Haltung;
  2. Fargesia murielae, der Muriel- oder Schirmbambus – der Klassiker, überhängend, sehr winterhart, etwa drei bis vier Meter;
  3. Fargesia rufa – buschig, rasch dicht, etwa zweieinhalb bis dreieinhalb Meter, in Sonne wie im Schatten brauchbar.

Für einen Hain gilt eine einfache Regel: eine Art, möglichst eine Sorte. Erst die Homogenität erzeugt jenen ruhigen, hain-ähnlichen Charakter, den man sucht. Vielfalt wirkt hier unruhig. Einheit wirkt weit.

Form gegen Wuchs

Bambus ist leicht und durchscheinend – und dennoch blickdicht. Er trägt etwas von jener Gelassenheit, die man sich heimlich auch für den eigenen Garten wünscht. Die Wirkung verdichtet sich, sobald er an gebaute Formen tritt: Mauer, Zaunfeld, kleine Bogenbrücke. Klare Kanten stehen gegen den formauflösenden Wuchs. Der Kontrast trägt.

Eine zweite, aus chinesischen Gärten bekannte Figur: dem Heiteren etwas Düsteres entgegenstellen. Davon war andernorts schon die Rede. Ein Bild mag hier genügen.

Rotes Sichtschutzelement hinter Bambsus

Höhe, Rauschen, Rückzug

Auf einem öffentlichen Spielplatz – BUGA 2007 in Ronneburg, Planung Krüger, Dresden – fand die Idee eine klare Fassung. Kinder entdecken dort einen Platz „in luftiger Höhe“ und daneben einen blickgeschützten Rückzug, der sie für eine Weile der unmittelbaren Aufsicht entzieht. Solche Orte sind selten geworden.

Leichtigkeit war das Thema. Schwingende, rauschende Gräser – dort Chinaschilf – füllten das Feld und grenzten es ab. Die Kinder tauchten in eine bewegte Gräserwelt. Fast ohne den Boden zu berühren, ließ sich hangeln und balancieren. Holzschnitzel dienten als Fallschutz, auf Spielfläche wie auf Wegen.

Der Gedanke überträgt sich leicht auf den Hausgarten: nicht das Spielgerät zuerst, sondern der Raum dazwischen. Ein Hain, ein Pfad, ein Turm oder Steg – und plötzlich ist Spielen wieder ein Eintauchen, kein Abstellen.

Spileppatz mit Bambus bepflanzt
Bepflanzung aus Japanischer Pfeilbambus
Hier findet sich eine Bepflanzung aus Japanischer Pfeilbambus (Pseudosasa japonica), der allerdings Wurzelausläufer bildet.

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