Kontraste in der Gartengestaltung – so entsteht Spannung

Vorweg ein einfaches Beispiel, damit diese gärtnerische Gestaltungsregel leicht verständlich wird.

Auf dem folgenden Foto sehen wir einen gestalteten Teich. Es entsteht ein natürliches Motiv – schön, aber ohne besondere optische Spannung.

Teich im Park
Ein Parkteich...

Das nächste Bild zeigt eine minimale Veränderung: Eine schlichte Brücke und japanische Steinlaterne ist am Ufer platziert.

In der Dunkelheit mag hier ein Kerzenlicht die Spiegelungen ersetzen, die in klaren Mondnächten der Erdtrabant auf der Wasseroberfläche erzeugt – so oder so ähnlich betrachtet man es jedenfalls in Japan.

Teich und japanische Steinlaterne
Mehr als ein Parkteich... 

Unabhängig davon hat sich das Teichmotiv verändert. Menschenwerk ist zur Natur hinzugekommen – und sei es nur eine unscheinbare Steinlaterne. Ein Spannungsmotiv ist entstanden. Die unberührte Natur ist nicht mehr Natur allein. Solche Gegenpaare – sie können auch ganz anderer Art sein – verändern bewusst oder unbewusst unsere Wahrnehmung und erzeugen Spannungsbögen.

Kommen wir nun zu dir und deinem kleinen Gartenreich:

Mal angenommen, du hast dir mit viel Mühe und guten Ideen einen schönen Ziergarten angelegt – und am Ende fehlt der ganzen Anlage doch der letzte Pfiff. Meistens liegt es daran, dass der Gestaltung die Spannung fehlt. Es fehlen die nötigen Gegensätze.

Kontraste sprechen unmittelbar die Gefühlswelt des Betrachters an. Ohne sie bleibt ein Garten harmonisch, aber langweilig – das Auge findet keinen Halt und verliert schnell das Interesse.

Der europäische Landschaftsgarten: Oft fehlt der bewusste Gegenpol. Wo alles in sanfter Harmonie fließt, geht die optische Spannung rasch verloren.
Wo setzt du in deinem Garten bewusst auf Kontraste, um das Auge zu fesseln?

Genau diese zu große Harmonie wurde auch bei vielen Landschaftsgärten und Parkanlagen immer wieder kritisiert. Während der Barock noch bewusst mit strengen Formen und der Gegenüberstellung von Architektur und Natur arbeitete, wandte sich die Romantik von dieser Strenge ab.

Man setzte auf geschwungene Linien und malerische Landschaftsbilder. Dabei versuchte man unter anderem, die Gärten der Chinesen nachzuahmen – was jedoch meist misslang.

[Bild: Ein stilisierter Landschaftsgarten mit vollem Kontrastprogramm von Natur und Architektur und heiterer Teichlandschaft hin zu schroffen, bedrohlichen Felsen. (Japanischer Garten Bochum 2009)]

Denn die fernöstliche Gartenkunst erzeugt ihre starke Wirkung gerade durch Stilisierung und bewusst gesetzte scharfe Kontraste. Ein Beispiel habe ich bereits am Anfang genannt.

Gegensätze

Architektur und Natur

Eines dieser scharf gesetzten Gegenpaare ist die der üppigen Natur entgegengesetzte Architektur – also Unnatur. Bogenbrücke, Zickzackbrücke, Pavillon oder Gartenmauer … sie stehen der malerisch nachempfundenen Naturlandschaft gegenüber.

Eine andere Variante, vor allem in fernöstlichen Gärten, ist die Erzeugung von Rahmenwirkungen. Sie geben besondere Naturgemälde der Betrachtung frei.

[Bild: Die Landschaft wird als Bild gerahmt. (Chinesischer Garten Berlin Marzahn)]

Die Kontrastwirkung von Natur und Architektur findet sich allerdings nicht nur in Fernost, sondern auch in den europäischen Architekturgärten. Dort lassen üppige Blumenrabatten strenge Heckenbeete überwuchern.

[Bild: Architektur und Natur. Der klassische Bauerngarten: strenge Buchsbaum-Hecken, aus denen üppige Blumenbeete hervorquellen und die geometrischen Linien aufbrechen.
Landhausgarten: Üppigkeit sprengt den formalen Rahmen.]

Auch die in Form geschnittenen Gehölze gehören in diese Kategorie. Sie setzen den Schlossgarten als Kulturraum der umgebenden Natur optisch kräftig entgegen. Vielleicht wurde dieser Kontrast besonders deutlich, wenn die Jagdgesellschaft beritten zum Schloss zurückkehrte – als eine Art Raum-Metamorphose für die eigene Wandlung vom wilden Jäger zum zivilisierten, gesitteten Zeitgenossen.

Das Heiter-Bedrohliche

Es waren wohl die Gartengestalter des alten China, die – geprägt von der Malerei – in der Gartengestaltung sehr bewusst Motive zusammenbrachten, die sie das „Lachende“ und das „Bedrohliche“ nannten. In Japan hat man dieses Prinzip übernommen. In beiden Formen der Kunstgärten findet sich das Motiv.

Hier steht das Flair der heiter-gelassenen Bambusstaude dem schroffen Felsengarten gegenüber. So lässt der Bambus den dunklen Fels noch düsterer wirken. (Japanischer Garten im egapark Erfurt)

Zum Lachenden gehören heitere, idyllische Szenen: einsame Fischerhütten, stilisierte Einsiedeleien oder ruhige Plätze. Daneben steht das erhaben Schreckliche: überhängende Felsen, bizarre Steinformationen, düstere Höhlen, aufschäumende Wasserfälle oder vom Sturm geformte, verkrüppelte Bäume. Mit diesen Gegensätzen gaben die Chinesen (und später die Japaner) ihren Gärten Seele und unverwechselbaren Charakter.

Das Heiter-Melancholische

Ganz nahe am vorherigen Motiv, dem Heiter-Bedrohlichen, liegt das Heiter-Melancholische. Nach meiner Beobachtung ist das die europäische Interpretation der chinesischen Bildsprache. Natürlich finden sich beide Gefühlswelten in beiden Kulturen. Doch wenn sich in den europäischen Landschaftsgärten nur wenige Kontrastmotive finden, so doch das Heiter-Melancholische – sei es die künstliche Grotte oder, als kleine Besonderheit, ein Rittergrab im Schlosspark Machern (bei Leipzig). Dessen Entstehungszeit fällt sicher nicht zufällig mit der Literaturepoche der Empfindsamkeit (1740–1790) zusammen.

Gehen wir nun weiter und schauen, welche bewährten Kontrastpaare sich noch finden. Mit ihnen lässt sich Spannung erzeugen – und oft sogar das gesamte Gestaltungsthema einer Gartenanlage entwickeln:

Hart und weich

Raue Steine, die von weichen Moospolstern oder niedrigen Stauden überwuchert werden – ein Thema, das besonders im Steingarten zur Geltung kommt.

Horizontal und vertikal

Eine ruhige Wasserfläche kombiniert mit hohen, schlanken Elementen wie Bambus. Vertikale Akzente sind in kleinen Gärten besonders wertvoll, weil sie den Blick nach oben lenken und so ein Gefühl von Weite schaffen.
Hier geben die vertikalen Strukturen der Bambusstangen (es ist kein gepflanzter Bambus) das Gegenüber zum horizontalen Spiegel der Wasserfläche. 

Ruhe und Bewegung

Ein stiller Teich neben einem plätschernden Wasserfall oder einer sprudelnden Quelle.

Ferne und Nähe

Weite Ausblicke, die mit intimen, umgrenzten Grünräumen wechseln. Das bietet sich dort an, wo sich ein entsprechendes Motiv in einer Blickachse befindet.

Form und Formauflösung

Findlinge und Wasser. Das ist ein Ideenmotiv aus einem koreanischen Garten. Die körperlose Fläche des Wassers kontrastiert mit den Findlingen. Es entsteht ein Bild völliger Entspanntheit der Seele – trotz spannender Optik.

Der Fluss der Zeit … durchquert das statische Felsufer. Zeit und Zeitlosigkeit.

Koreanischer Garten Berlin Marzahn
Koreanischer Garten Berlin Marzahn

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