
Kostengünstig eine einfache Kiesterrasse bauen
Der schnellste und preiswerteste Belag für die Gartenveranda ist Kies oder Splitt. Das ist nicht nur eine Frage der Anschaffungskosten:
Ein Kiesbelag wird oft zur ersten Wahl, wenn Bebauungspläne das Versiegeln von Flächen untersagen oder die Kommune hohe Niederschlagswassergebühren für versiegelte Flächen erhebt [1]. Da Regenwasser auf Kies ungehindert versickern kann, entfällt diese wiederkehrende Abwassergebühr in der Regel oder fällt zumindest deutlich geringer aus.
Auch aus ästhetischen Gründen schätzen viele Grundstücksbesitzer die natürliche Optik als gelungene Alternative zu festen Holzdielen oder Steinpflastern.

Eines Weiteres sollte bedacht werden: Die Wahl der Gartenmöbel muss zum Untergrund passen. Ungeeignete Stühle und Tische mit zu schmalen Beinen sinken nämlich auf dem nachgiebigen Boden leicht ein. Unten gehe ich noch darauf ein.
Vorarbeiten für den Belag und Regenwasserableitung
Die für die Veranda vorgesehene Fläche wird etwa 5 bis 10 Zentimeter tief ausgehoben bzw. von der Grasnarbe befreit.
Gefälle
Unabdingbar ist ein leichtes Gefälle vom Haus weg nach außen, damit Regen- und Schmelzwasser zügig abfließen. Die Sohle muss absolut eben sein und darf keine Senken aufweisen.
Führe diese Vorarbeit mit Sorgfalt aus: Wo sich später Wasser sammelt, weicht der Boden auf und verwandelt die Terrasse im Winter in eine Matschgrube.
Alternative ohne Gefälle:
Wer seine Veranda aus baulichen Gründen völlig eben und ohne Gefälle anlegen möchte, sollte vom reinen Kiesbelag absehen, da sich sonst in Senken Staunässe bildet.
In diesem Fall bieten sich wasserdurchlässige Terrassendecks (z. B. aufgeständerte Holzdielen oder WPC mit Fugen sowie Sickerpflaster) an. So bleibt die Fläche eben, das Regenwasser versickert trotzdem direkt auf dem Grundstück und der Gebührenvorteil [1] für unversiegelte Flächen bleibt erhalten.
Randeinfassung?
Häufig wird empfohlen, eine Kiesterrasse fest mit Kantensteinen, Metallschienen oder einer Pflasterzeile einzufassen. So soll verhindert werden, dass Steinchen beim Begehen oder Stühle-Rücken in den Rasen wandern und dort beim Mähen zu gefährlichen Geschossen werden.
Mein persönlicher Rat: Wenn keine baulichen Gründe zwingend dafür sprechen, verzichte im Zweifelsfall lieber auf eine starre Randeinfassung.
Eine organisch auslaufende Kiesfläche sieht optisch meist viel natürlicher aus als eine erzwungene, steife Begrenzung. In der Praxis funktioniert der sanfte Übergang ins Beet oder zum Rasen erstaunlich gut und fügt sich harmonischer in das Gesamtbild des Gartens ein.
Untergrund verdichten und Material aufbringen
Ist die Erdfläche eben vorbereitet, wird sie gründlich verfestigt. Dazu eignet sich am besten eine Rüttelplatte, die im Baumarkt ausgeliehen werden kann.
Als Belag dient Kies (rundes Korn) oder Splitt (gebrochenes Korn) in einer definierten Körnung. Sand ist für eine Terrasse zu fein. Empfohlen wird eine Körnung von 2/5 bis 2/8 Millimetern ohne Feinanteile:
2/8 mm beschreibt dabei Steinchen mit einem Durchmesser zwischen zwei und acht Millimetern.

Ohne Feinanteile bedeutet, dass keine Partikel unter zwei Millimetern enthalten sind. Fehlen diese winzigen Staub- und Sandanteile, bleibt der Belag dauerhaft wasserdurchlässig und friert im Winter nicht auf.
Der Splitt oder Kies wird in dünnen Schichten aufgetragen und jeweils leicht verdichtet (bei Splitt mithilfe der Rüttelplatte, behelfsweise durch festes Anwalzen oder Begehen). Und damit ist die Kiesterrasse auch schon nutzungsbereit.
Regelmäßige Pflege und Nachbesserung
Für die spätere Pflege empfiehlt es sich, gleich beim Bau etwas Reservematerial (Körnung 2/8 mm ohne Feinanteile) einzulagern.
Mit diesem Vorrat wird die Fläche jährlich im Frühjahr durch eine hauchdünne neue Schicht aufgefrischt. Eine Kiesterrasse behält ihre Stabilität nur dann, wenn Regenwasser ungehindert absickern kann und das Material nie zu dick auf einmal nachgefüllt wird.
Tipp: Möglichkeiten, wie du schnell und preiswert Material kaufst, findest du hier.
Geeignete Terrassenmöbel für die Kiesflächen kaufen!
Damit der Aufenthalt auf der Veranda entspannt bleibt, kommt es auf die Wahl der richtigen Sitzmöbel an.
Der lose Kies- oder Splittbelag verhält sich ähnlich wie eine Rasenfläche: Klassische Stühle mit schmalen, spitzen Stuhlbeinen bohren sich unter dem Gewicht der sitzenden Person leicht einige Zentimeter tief in den Boden. Der Stuhl steht schief, wackelt und hinterlässt unschöne Vertiefungen im Belag:

Ideal für die Kiesterrasse sind daher Gartenmöbel, die sich prinzipiell auch für das Aufstellen auf dem Rasen eignen. Das sind vor allem Modelle, deren Stuhlbeine unten durch durchgehende Querstege, Kufen oder Schlitten-Gestelle miteinander verbunden sind.
Diese Querverbindungen liegen flach auf den Steinchen auf, verteilen das Gewicht großflächiger und verhindern so zuverlässig das Einsinken. Alternativ bieten sich Stühle mit besonders breiten, flachen Fußkappen an.
Bei bestehenden Möbeln mit schmalen Beinen schaffen nachrüstbare Bodengleiter für den Außenbereich einfache Abhilfe.
Wege mit Kies oder Splitt anlegen?
Selbstverständlich gilt für das Anlegen von Gartenwegen dasselbe Prinzip. Dennoch habe ich diese einfache Form des Wegebaus in einem eigenen Beitrag detailliert beschrieben.
Etwas aufwändiger ist der Aufbau einer sogenannten wassergebundenen Fläche (Wegedecke).
Überhaupt lohnt es sich, alle paar Jahre zum Thema der einfachen Flächenbefestigung auf dem Laufenden zu bleiben, da bewährte Kniffe in der Praxis immer wieder in Vergessenheit geraten.
Ein philosophischer Nachtrag
Erst sitzen, dann bauen
Wer ein neues Grundstück, ein altes Häuschen oder einen Kleingarten übernimmt, spürt fast immer den Drang nach schnellen, endgültigen Ergebnissen. Der Sitzplatz – das Herzstück des Gartens – soll meist sofort geplant, ausgehoben und für die Ewigkeit gepflastert oder mit schweren Holzdielen belegt werden. Doch die Praxis zeigt: Kaum etwas wird im Garten so häufig bereut wie die übereilte Wahl des Terrassenstandorts.
Ein Grundstück offenbart seine Eigenheiten nämlich nicht auf dem Papier und selten in den ersten Wochen. Erst im Laufe der Jahreszeiten lernt man die feinen Schattierungen des Gartens kennen. Ein Platz, der im kühlen April als sonnige Oase erscheint, kann sich im Juli als glühender Backofen entpuppen. Wo im Frühjahr Ruhe herrscht, verläuft im Sommer vielleicht die Hauptflugschneise der nachbarlichen Rasenmäher. Ein zunächst reizvoller Ausblick endet aus der Perspektive des Gartenstuhls plötzlich genau an der Mülltonne des angrenzenden Grundstücks. Und manchmal stellt man erst nach Monaten fest, dass man eigentlich viel lieber dort sitzt, wo man ursprünglich gar keine Terrasse vorgesehen hatte.
Hinzu kommen die weniger offensichtlichen Dinge: die Richtung des Windes, die tief stehende Abendsonne, der Schatten eines Baumes, der im Frühjahr noch gar nicht vorhanden war, oder die Frage, wie weit man tatsächlich vom Haus entfernt sitzen möchte. Ein Garten ist eben kein Grundriss. Er ist ein Ort, den man erst durch seine Benutzung kennenlernt.
Hier liegt die heimliche Genieleistung der einfachen Kiesterrasse: Sie ist das perfekte, funktionale Provisorium.
Eine Fläche aus Kies oder Splitt ist schnell geschüttet, kostengünstig und jederzeit ohne Bagger oder Presslufthammer korrigierbar. Man kann sie vergrößern, verkleinern, verschieben oder an einer anderen Stelle neu anlegen. Das Entscheidende aber ist: Sie erlaubt eine Entscheidung auf Probe.
Man muss sich nicht sofort festlegen
Wer ein oder zwei Sommer auf dem Kiesbelag verbracht hat, weiß irgendwann ziemlich genau, ob die Ausrichtung stimmt, wo ein Sichtschutz aus Sträuchern fehlt, wann die Sonne zu heiß wird und wo sie am Abend tatsächlich am längsten steht. Man hat ausprobiert, was sich auf keinem Gartenplan vollständig darstellen lässt: wie es sich an diesem Ort lebt.
Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Tatsächlich steckt darin ein vernünftiges Prinzip der Gartengestaltung: Je unsicherer eine Entscheidung ist, desto leichter sollte sie sich wieder ändern lassen.
Eine endgültig gebaute Terrasse macht aus einer Vermutung eine Tatsache. Die Kiesterrasse lässt die Vermutung zunächst eine Vermutung bleiben.
Das ist vielleicht sogar der eigentliche Wert des Provisoriums. Es ist nicht einfach eine Zwischenlösung, die darauf wartet, durch etwas „Richtiges“ ersetzt zu werden. Es ist ein Werkzeug, mit dem man etwas herausfindet. Man baut nicht weniger, sondern man baut zunächst anders: nicht für die Ewigkeit, sondern für die Erfahrung.
Gerade beim Erwerb eines neuen Grundstücks ist das sinnvoll. Man kennt den Ort noch nicht – und kennt auch die eigenen Gewohnheiten dort noch nicht. Was man sich beim ersten Rundgang als ideale Sitzecke vorgestellt hat, muss nicht der Platz sein, an dem man später tatsächlich seinen Kaffee trinkt, das Abendessen einnimmt oder mit einem Buch sitzt. Der Garten entwickelt sich nicht nur botanisch. Auch sein Besitzer entwickelt seine Beziehung zu ihm.
Vielleicht ist deshalb der vernünftigste Umgang mit einem neuen Garten zunächst nicht das Bauen, sondern das Sitzen.
Ein paar Stühle, ein Tisch und eine Fläche aus Kies genügen. Dann kann man beobachten. Im April, im Juni, im August und an einem sonnigen Oktobertag. Morgens, mittags und abends. Bei Wind und bei Hitze. Mit Blick auf den eigenen Garten und – leider manchmal – auf den des Nachbarn.
Irgendwann weiß man dann, wo die Terrasse eigentlich hingehört.
Und nun kommt die kleine Überraschung: Oft stellt sich nach dieser Testphase heraus, dass überhaupt kein Grund besteht, die Kiesterrasse wieder zu entfernen. Was ursprünglich nur als Versuch gedacht war, wird zum dauerhaften Lieblingsplatz. Vielleicht gerade deshalb, weil eine Kiesterrasse nicht so tut, als sei sie für die Ewigkeit gebaut worden.
Der Belag knirscht unter den Schritten, Regen verschwindet zwischen den Steinen, und die Fläche besitzt eine gewisse Leichtigkeit. Sie verlangt keine große architektonische Geste. Sie liegt einfach da und macht ihren Dienst.
Vielleicht ist das eine der angenehmen Eigenschaften einfacher Lösungen: Sie müssen nicht beweisen, dass sie endgültig sind.
Erst sitzen, dann bauen.
Für einen Garten ist das vielleicht gar kein schlechter Grundsatz.
Ergänzungen
[1] Hinweis zu den Abwassergebühren: Ob und in welcher Höhe eine Kies- oder Splittfläche von den kommunalen Niederschlagswassergebühren befreit wird, hängt von der jeweiligen örtlichen Abwassersatzung ab. Jede Gemeinde legt eigenständig fest, ab wann ein Belag als vollständig unversiegelt oder teildurchlässig gilt. So verlangen manche Kommunen einen Nachweis über einen rein wasserdurchlässigen Unterbau (ohne Magerbeton oder Zement) oder knüpfen Gebührennachlässe an bestimmte Körnungen und Schichtdicken. Ein kurzer Blick in die Satzung der eigenen Gemeinde schützt hier vor unerwarteten Nachforderungen beim Gebührenbescheid.
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[TJ.8.7] [] Thomas Jacob, Erstveröffentlichung: August 2013

