Bodendecker für Gräber: Pflanzen und Grabhügel

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zeitlos wirkende Efeugräber mit alten Grabmalen
Zeitlos wirkende Efeugräber und das sind sie tatsächlich. Hier am Ort der stillstehenden Zeit.

Wer Gräber bepflanzt, denkt zunächst an Blumen, Bodendecker und eine möglichst pflegeleichte Gestaltung. Doch eine Grabstelle ist nicht einfach eine Gartenfläche. Sie hat eine eigene Form, die sich aus der Bestattung selbst ergibt.

In meiner gut 25-jährigen Tätigkeit als Friedhofsverwalter auf drei verschiedenen Friedhöfen habe ich beide Seiten kennengelernt: die gärtnerische Aufgabe, eine Grabstätte dauerhaft zu begrünen, und die Frage, welche Bedeutung dem aufgeworfenen Grabhügel zukommt.

Im Folgenden geht es zunächst um bewährte Bodendecker, ihre Verwendung und Pflege. Danach widme ich mich dem Grabhügel – einer Grabform, die man nicht nur unter gestalterischen Gesichtspunkten betrachten sollte.

Was Bodendecker leisten

Pflanzen, die den Boden mit ihrem Wuchs vollständig bedecken, sind für die Grabbepflanzung von besonders großer Bedeutung. Mit immergrünen Bodendeckern lässt sich ein Grab ganzjährig ansehnlich gestalten. Bei richtiger Auswahl von Pflanzen und Sorten machen solche Pflanzungen kaum Arbeit und sehen dennoch stets ordentlich aus. Teppichartige Pflanzen beschatten den Boden, sodass er sich weniger aufheizt und nicht so rasch austrocknet. Gerade an sonnigen Standorten ist das ein Vorteil, denn es muss weniger gegossen werden.

Blütenschmuck ohne Wechselpflanzung

Wer keine aufwendigen Wechselpflanzungen wünscht, aber auf Blütenschmuck nicht verzichten möchte, setzt statt einjähriger Blumen lang blühende Stauden. Ideal ist eine Blütezeit rund um den Geburts- oder Todestag des Verstorbenen. Zusätzlich lassen sich früh blühende Zwiebelpflanzen wie Schneeglöckchen, Blausternchen (Scilla), Schneestolz (Chionodoxa) oder Krokusse in den grünen Teppich stecken. Sie sorgen schon im zeitigen Frühjahr für Blütenschmuck, der ganz ohne Pflege auskommt.

Die Grabstelle im Schatten

Liegt eine Grabstelle im Schatten, ist es schwierig, Blumen gute Wachstumsbedingungen zu bieten. Es gibt jedoch robuste Bodendecker, die auch bei diesen Lichtverhältnissen gedeihen. Mit ihnen ist man besser beraten als mit Sommerblumen, die dort verkümmern oder nur spärlich blühen. Efeu etwa kann eine Grabstelle vollständig grün einspinnen. Schnittblumen in einer Steckvase setzen dann den gewünschten Farbtupfer, und wenn sie entfernt werden, wirkt das Grab weiterhin gepflegt.

Welche Bodendecker sind besonders gut geeignet?

Efeu (Hedera helix) gedeiht in Sonne und Schatten. Er sollte möglichst ungestört bleiben, also weder betreten noch abgedeckt werden, auch nicht über den Winter mit Grabgestecken. Die Ausläufer werden ein- bis zweimal im Jahr gestutzt, wenn sie andere Pflanzungen oder das Nachbargrab bedrängen.

Kriechspindel (Euonymus fortunei) gibt es in verschiedenen Sorten. Das niedrige, immergrüne Gehölz ist außerordentlich robust und trittfest. Es wächst in Sonne und Schatten und auch unter großen Bäumen, deren Wurzeldruck es verträgt. Es wird einmal im Jahr geschnitten und eignet sich gut für kleine Urnenstellen und für niedrige Einfassungshecken.

Immergrün (Vinca minor) ist eine uralte Friedhofspflanze für pflegeleichte Bepflanzungen und besonders für kleine Grabstellen geeignet. Im Frühling und Sommer sollte sie regelmäßig, etwa alle zwei Wochen, Flüssigdünger bekommen. Wenn Immergrün nicht gut gedeiht, liegt es meist an Nährstoffmangel. Das Große Immergrün (Vinca major) wird deutlich höher und kommt für sehr große Flächen in Frage.

Fetthennen (Sedum und Phedimus), auch Mauerpfeffer genannt, sind sehr alte Pflanzen, die früher vor allem für Grabhügel verwendet wurden. Das Angebot an Arten ist groß. Für sonnige und leicht schattige Standorte empfehle ich das sogenannte Immergrünchen (Sedum hybridum, synonym Phedimus hybridus) sowie die Sorten des Teppichsedums (Sedum spurium).

Polsterphlox (Phlox subulata) ist in verschiedenen Sorten erhältlich. Er ist mein persönlicher Favorit unter den Polsterstauden für die Grabgestaltung, denn er sieht auch nach der Blüte noch gut aus. Ein Abschneiden der Blütenreste ist nicht nötig.

Teppichmispel (Cotoneaster dammeri ‘Radicans’), auch Kriechmispel genannt, ist ein Kriechgehölz für Sonne und Halbschatten. Es bildet flache, immergrüne Teppiche und eignet sich für ebene Flächen ebenso wie für den Hügel. Dabei ist zu beachten: Sie wächst einen Hügel hinab, aber nicht hinauf, also gehört sie an die Spitze. Sie ist eine der wenigen „modernen“ Pflanzen, die sich auf Friedhöfen über viele Jahre bewährt haben.

Schleifenblume (Iberis sempervirens), auch Schneekissen genannt, bildet etwas höhere Polster von etwa 30 Zentimetern mit ganzjährig gesundem, dunkelgrünem Laub. Im April verwandelt die Blüte das Polster in ein weißes Kissen. Auf Friedhöfen sieht man sie seltener, doch sie hat meinen Dauertest bestanden. Für kleinere Anlagen und Gräber ist die schwächer wachsende Sorte ‘Weißer Zwerg’ geeignet.

Das sind die wichtigsten Teppichpflanzen für Gräber. Auf größeren Flächen oder auf Waldfriedhöfen kann man selbstverständlich auch alle anderen Bodendecker verwenden, die im Garten- und Landschaftsbau gebräuchlich sind.

Hügelgräber auf einem Dorffriedhof
Einheitlich begrünte Grabhügel mit Cotoneaster dammeri ‘Radicans’

Sedum als Grabbepflanzung selbst vermehren

Grabhügel lassen sich nach alter Tradition mit Sedum spurium (Kaukasus-Sedum) oder besser noch mit Sedum hybridum bepflanzen und befestigen. Beide Arten ähneln sich, doch S. hybridum zeigt im Winter das schönere Grün.

Die Bepflanzung gelingt leicht mit Stecklingen. In den zuvor geformten Hügel sticht man mit einem Stift alle zwei bis drei Zentimeter kleine Löcher. In jedes kommt ein etwa vier Zentimeter langer Rosettentrieb des Sedums. Zum Schluss wird der Boden mit den Stecklingen leicht angeklopft und bei Bedarf vorsichtig gegossen. Das erfordert etwas Geduld.

Wer die Stecklinge im Frühling setzt, hat bis zum Herbst eine feste Matte. Setzt man die Rosetten erst im Spätsommer, dauert es länger. Doch selbst wenn sich bis zum Winter kaum Wurzeln bilden, überdauern die Pflänzchen problemlos bis zum Frühjahr und wachsen dann umso schneller an.

Pflege

Alle genannten Bodendecker, Stauden wie Gehölze, sind dankbar für etwas Dünger im Frühjahr und Frühsommer. Das kann flüssiger Blumendünger sein oder Hornspäne (Stickstoffdünger), die man zwischen dem Grün ausstreut. Bei extremer Trockenheit sollte gründlich gewässert werden, besser einmal durchdringend als mehrmals nur oberflächlich.

Einige Bodendecker müssen durch Schnitt im Zaum gehalten werden, vor allem der Efeu. Ansonsten brauchen sie kaum Pflege. Wichtig ist, die immergrünen Flächen im Winter nicht mit Tannenreisig abzudecken.

Vor der Pflanzung: Wurzelunkräuter radikal entfernen

Eine Bodendeckerfläche sollte erst dann bepflanzt werden, wenn sicher ist, dass auf der Pflanzfläche und in ihrem unmittelbaren Umfeld keine Wurzelunkräuter stehen. Ebenso wichtig ist, dass keine ungedämpfte Komposterde verwendet wird, denn solche Erden enthalten Unkrautsamen. Sind Quecke oder Winde erst einmal in den geschlossenen Teppich eingewachsen, werden sie zum Problem. Man bekommt sie später nur mit größtem Aufwand wieder heraus.

Mein Rat lautet deshalb seit jeher: den Hügel zunächst provisorisch bepflanzen. Dafür eignen sich saisonale Ziergewächse, die nach dem Frost wieder herausgenommen werden. Ist das Grab nach einer Pflanzsaison frei von den genannten Unkräutern, wird endgültig bepflanzt. Das kostet ein Jahr, erspart aber viele danach.

Der begrünte Grabhügel

Was am Grab Natur ist und was Kultur

Es gibt in der Menschheitsgeschichte die verschiedensten Bestattungsbräuche. Vielleicht ist die bewusste, kultische Bestattung der Toten sogar eines der ersten Kennzeichen von Kultur überhaupt und ein Unterschied zu unseren nächsten tierischen Verwandten. Dabei fällt mir auf, dass sich bei jeder Bestattungsform, bei der ein toter Körper der Natur zurückgegeben wird, zwei Bereiche trennen lassen: ein kultischer und ein natürlich-zweckmäßiger.

Bei der Erdbestattung lässt sich das am einfachsten beobachten. Alles, was sich unter der Erde befindet, folgt natürlichen Vorgängen. Wenn der Pfarrer am Grab davon spricht, dass hier wieder Erde wird, was von der Erde genommen ist, so ist das in der Beerdigung vermutlich die einzige Bemerkung ohne kultischen Charakter.

Der Hügel entsteht von selbst

Wird das Grab geschlossen, wirft sich über dem abgesenkten Sarg zwangsläufig ein Erdhügel auf. Er senkt sich über die Jahre wieder ab. Bis dahin ist er, gewollt oder ungewollt, die natürlichste Kennzeichnung einer Begräbnisstätte.

Ich halte deshalb die Frage, ob der Hügel einem anderen Gestaltungsgedanken weichen soll, für weniger offen, als sie oft behandelt wird. Das ist keine Frage von Geschmack oder Meinung. Der Hügel entsteht aus der Sache selbst.

Traditionell hat man ihn in Deutschland nicht abgetragen oder eingeebnet. Man hat ihn bewusst geformt, gefestigt und bepflanzt. Bis weit ins 20. Jahrhundert prägte das gewölbte, grün bewachsene Grab das Bild der Dorffriedhöfe und städtischen Gottesäcker. Wo noch auf Zweck, Sinn und Tradition geachtet wird, findet man es bis heute. Es ist eine selbstverständliche und unaufgeregte Form des Gedenkens.

Worüber sich streiten lässt und worüber nicht

Zum kultischen Bereich gehören Grabmal, Bepflanzung und der Grabschmuck an Festtagen wie Allerseelen, Ewigkeitssonntag oder Ostern. Hier darf man tatsächlich über Gestaltung, Geschmack und persönliche Vorlieben streiten.

Für die Begrünung des Hügels sehe ich das anders. Die bodendeckende Bepflanzung erfüllt einen Zweck: Sie schützt die aufgeworfene, zum Hügel geformte Erde vor Erosion durch Regen und Tauwetter. Die Anleitung weiter oben, wie ein Hügel zweckmäßig zu begrünen ist, gehört daher für mich nicht in den Bereich des Diskutablen. Sie folgt der natürlichen Ordnung.

Rasengrab und Herrnhuter Gottesacker

Seit den 1980er Jahren werden auf den Friedhöfen Rasengräber gefördert, wie man sie vielleicht aus den USA oder aus nordischen Ländern kennt. Gelegentlich wird dabei auf die Herrnhuter Brüdergemeine verwiesen, deren Gottesacker einen gewissen Bekanntheitsgrad hat. Dort liegen die Gräber mit Liegesteinen im Rasen, ohne Hügel.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Herrnhut liegt nicht weit von meinem Wohnort, und so konnte ich es mir ansehen: Neue Grabstätten werden dort zunächst gehügelt angelegt. Erst nach Jahren, wenn auf anderen Friedhöfen die alten Gräber eingeebnet werden, wählt man die Rasenvariante. Sie zeigt dort ein ewiges Ruherecht an. Der Hügel als Kennzeichen wird aufgegeben, und der liegende Stein übernimmt seine Aufgabe.

Schlussgedanke

In 25 Jahren in Sachen Friedhofsgärtnerei habe ich vieles kommen und gehen sehen: Moden in der Grabgestaltung, Pflanzen, die sich als dankbar oder als Fehlgriff erwiesen, und Vorschriften, die sich nach einigen Jahren wieder änderten. Geblieben ist, was einem Zweck folgt. Der Hügel entsteht aus dem Vorgang der Bestattung selbst. Die Pflanzendecke schützt ihn, und was sich auf dem Hügel bewährt, ist meist auch das, was über Jahre wenig Pflege braucht.
Das ist im Grunde kein Sonderfall der Friedhofsgärtnerei:

Wo wir mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie, ergibt sich die Form oft von allein. Vielleicht sagt ein Grab, das bepflanzt bleibt, einiges darüber aus, wie sich Gestalten und Gewährenlassen ergänzen können.

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©Thomas Jacob, Erstveröffentlichung September 2014

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